Der Weg nach oben führt nach unten: Stolz überwinden und wahre Grösse in der Demut finden

In einer Welt, die Selbstinszenierung, Erfolg und „das Streben nach oben“ feiert, wirkt der Buch-Titel von Derek Princes Werk fast provokativ: Der Weg nach oben führt nach unten. Doch für jeden, der Jesus nachfolgen möchte, verbirgt sich hier eines der wichtigsten geistlichen Geheimnisse überhaupt. Als wahrer Nachfolger Jesu ist es von grosser Wichtigkeit diese geistlichen Prinzipien zu erkennen und danach zu leben.

Stolz ist nicht einfach nur ein Charakterfehler; er ist die Wurzel fast aller geistlichen Probleme. Demut hingegen ist die Voraussetzung für jede Form von echter geistlicher Reife.

1. Der Ursprung des Stolzes: Eine Rebellion im Himmel

Stolz ist die älteste Sünde des Universums. Stolz ist nicht auf der Erde, sondern im Himmel entstand.

Luzifer, der „Glanzstern“, war ein vollkommenes Geschöpf Gottes, bis Stolz sein Herz erfüllte (Hesekiel 28,14-15). Er wollte Gott nicht mehr dienen, sondern Gott gleich sein. In Jesaja 14 lesen wir die „Ich will“-Aussagen Luzifers, die sein Wesen offenbaren:

• „Ich will in den Himmel emporsteigen…“

• „Ich will meinen Thron über die Sterne Gottes erhöhen…“

• „Ich will mich dem Allerhöchsten gleichmachen“ (Jesaja 14,13-14).

Die Essenz des Stolzes ist Eigenwille und die Erhebung des eigenen „Ich“ über Gottes Willen. Während Stolz versucht, nach oben zu steigen und dabei tief fällt, wählte Jesus den entgegengesetzten Weg: Er erniedrigte sich selbst und wurde deshalb von Gott hoch erhoben (Philipper 2,8-9).

2. Wie sich Stolz äussert: Die Masken des Ichs

Stolz ist oft subtil und tarnt sich hinter Frömmigkeit oder Erfolg. Manchen wird der Begriff geistlicher Stolz sicher etwas sagen. Dieser kommt in christlichen Gemeinden öfters vor als man denkt. Leider wissen viele Christen auch nicht was Stolz wirklich ist und wie sich dieser äussert. Stolz zeigt sich unter anderem durch:

• Unbelehrbarkeit: Wer stolz ist, weiss es meistens besser. Kritik wird als Angriff gewertet, nicht als Hilfe (Sprüche 12,1).

• Mangelndes Gebetsleben: Gebetslosigkeit ist eine Form von Stolz, weil sie sagt: „Ich schaffe es heute ohne Gottes Hilfe“ (Psalm 10,4).

• Vergleich mit anderen: Stolz braucht das Gefühl, besser, geistlicher oder erfolgreicher zu sein als der Nächste (2. Korinther 10,12).

• Die Unfähigkeit, um Vergebung zu bitten: Ein stolzes Herz kann nicht „Es tut mir leid“ sagen, ohne es sofort zu rechtfertigen.

• Suche nach Anerkennung: Das ständige Bedürfnis, gesehen, gelobt und bestätigt zu werden.

• Überheblichkeit: „Ich habe etwas was du nicht hast und es steht dir nicht zu dies zu haben.“

3. Die fatalen Folgen von Stolz

Die Bibel lässt keinen Zweifel daran, dass Stolz gefährlich ist. Er ist wie ein geistliches Gift, das die Beziehung zu Gott und Menschen zersetzt.

1. Gott widersteht dem Stolzen: Gott ist nicht nur neutral gegenüber Stolz – Er stellt sich aktiv dagegen (Jakobus 4,6; 1. Petrus 5,5).

2. Der Fall ist vorprogrammiert: „Stolz kommt vor dem Zusammenbruch, und Hochmut kommt vor dem Fall“ (Sprüche 16,18).

3. Geistliche Blindheit: Stolz vernebelt das Urteilsvermögen. Man sieht die Splitter bei anderen, aber nicht den Balken im eigenen Auge (Matthäus 7,3-5).

4. Selbsttest: Bin ich stolz? – Checkliste zur Selbstprüfung.

Nutze diese Fragen für eine ehrliche Inventur vor Gott. Sei mutig – Demut beginnt mit der Wahrheit über uns selbst.

• Reaktion auf Kritik: Werde ich sofort defensiv oder ärgerlich, wenn mich jemand korrigiert?

• Dankbarkeit: Fällt es mir schwer, Gott und Menschen für meinen Erfolg zu danken, weil ich denke, ich habe es selbst verdient?

• Dienst: Bin ich bereit, Aufgaben zu übernehmen, die „unter meiner Würde“ liegen oder für die ich keine Anerkennung bekomme?

• Vergebung: Fällt es mir schwer, den ersten Schritt zur Versöhnung zu machen, besonders wenn ich im Recht bin?

• Zuhören: Unterbreche ich andere oft, weil ich denke, dass mein Beitrag wichtiger ist?

• Geistlicher Hochmut: Denke ich insgeheim, dass ich heiliger oder bibeltreuer bin als die Geschwister in meiner Gemeinde?

• Abhängigkeit: Fällt es mir schwer, andere um Hilfe oder Gebet zu bitten?

• Erfolg anderer: Empfinde ich Neid, wenn jemand anderes gesegnet wird oder eine Beförderung erhält?

5. Stolz in der Gemeinde: Wenn das „Fromme“ zum Problem wird


Gerade im christlichen Kontext kann Stolz besonders zerstörerisch wirken, weil er sich oft religiös verkleidet:

• Der „Experten-Stolz“: Man weiss alles über die Bibel, aber das Wissen führt nicht zur Liebe, sondern zum Aufblähen (1. Korinther 8,1). Man korrigiert ständig den Pastor oder die Ältesten.

• Wettbewerb im Dienst: Wer hat die grösste Gruppe? Wer hat die eindrucksvollsten Geistesgaben? Wenn Gaben zur Schau gestellt werden, statt Gott zu verherrlichen, regiert der Stolz.

• Grüppchenbildung: Das Gefühl, zu einem „elitären Kreis“ innerhalb der Gemeinde zu gehören, welche die „eigentliche Wahrheit“ erkannt haben und sich als „geistliche Überflieger“ inszenieren.

• Mangel an Unterordnung: Wenn man sich nicht unter die Leitung der Gemeinde stellen kann und stattdessen Unruhe stiftet, wenn Entscheidungen nicht nach dem eigenen Kopf gehen (Hebräer 13,17).

6. Der Schlüssel: Demut ist eine Entscheidung

Gott wird uns nicht demütig machen; Er befiehlt uns, uns selbst zu demütigen. Demut ist kein Gefühl, sondern ein Akt des Willens.

„Demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit.“ (1. Petrus 5,6)

Wie man ein demütiges Leben führt:

1. Das Beispiel Jesu betrachten: Er wusch den Jüngern die Füsse – eine Sklavenarbeit (Johannes 13,14-15). Frage dich: Was würde Jesus in dieser Situation tun?

2. Abhängigkeit kultivieren: Beginne den Tag mit dem Eingeständnis: „Herr, ohne dich kann ich heute nichts tun“ (Johannes 15,5).

3. Sich unterordnen: Übe dich darin, anderen den Vorrang zu geben. Suche bewusst Gelegenheiten, im Verborgenen zu dienen.

4. Die Wahrheit über sich selbst akzeptieren: Wir sind aus Gnade gerettet, nicht durch Werke (Epheser 2,8-9). Es gibt keinen Grund, sich über andere zu erheben.

5. Dankbarkeit als Lebensstil: Dankbarkeit ist der natürliche Feind des Stolzes. Wer dankt, erkennt an, dass er empfangen hat.

Fazit: Der Weg nach oben – zur wahren Gemeinschaft mit Gott und zu geistlicher Vollmacht – führt immer erst einmal nach unten. Wer bereit ist, sich zu beugen, den wird Gott zu Seiner Zeit erhöhen.

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